Tacheles reden!
Marlene Petermann
Bonn. Die Hütte brennt, das Publikum tobt und Sebastian Pufpaff ist sichtlich erleichtert. Die Pilotproduktion "Pufpaff - Das Satiremagazin" scheint geglückt. Im Tanzhaus Bonn karikierte der Bonner Humorist die deutsche Rüstungsindustrie, politische Feindbilder und nahm ein Flirtcoaching für vereinsamte Singles unter die Lupe.
Pufpaff unterhält raffiniert und interaktiv, denn er will nicht nur Entertainer sein. "Ich suche bewusst den Kontakt zum Publikum und seiner politischen Meinung", sagt er. Die Menschen fühlten sich von der Politik nicht mehr gehört. Bei ihm sollen sie "Tacheles reden" - eine fest geplante Rubrik des Satiremagazins.
"Zu welchem Thema wollt Ihr mal richtig Dampf ablassen?", lockt Pufpaff sein Publikum aus der Reserve. Zuschauerin Karin nutzt die Gunst der Stunde, wenn auch noch etwas verhalten: "Ich bin gegen die Rente ab 67", schreibt sie auf ein Plakat, das ihr Pufpaff reicht, und lächelt.
Doch wo ist da die Wut im Bauch? Passend dazu karikiert der Humorist in einem von mehreren Kurzfilmen den deutschen "Wutbürger", den es kaum noch zu geben scheint - ohne damit seine Gäste zu verärgern.
Er will aufrütteln, ein Ventil bieten. Denn sonst verpufft die politische Wut der Bevölkerung wie im Kurzfilm: auf einem ominösen "Feld zum Dampfablassen" irgendwo in Deutschland, wo man für einen Euro pro Stunde die offizielle Erlaubnis erhält, Feldsteine wütend durch die Gegend zu werfen, "ohne dass sich die Nachbarn oder irgendwer anders gestört fühlt".
Neben Pufpaff überzeugte Stephan Stuchlik als Prof. Dr. Stephan Maria Profundl - ein Experte politischer Talkshows, der nur mit Prozentzahlen und Fremdwörtern um sich wirft, aber nichts zu sagen hat. Mit dabei auch Thomas Linenlücke, der Redakteur zur Sendung. Er recherchiert aus einem Betonverschlag für Pufpaff Fragen.
Die Pilot-Sendung wird am Montag, 19. September, um 21.45 und um 1.30 Uhr auf "Eins Festival" ausgestrahlt. Ob das Satiremagazin nächstes Jahr auf Sendung gehen wird, entscheidet sich Ende Oktober.
- Weblog von Sebastian Pufpaff
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